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Grundsätzlich ist der Four-Thirds-"Standard"
(kurz: 4/3) ein offenes System, an dem sich
eine Vielzahl von Herstellern beteiligen
könnte. Doch zumindest bei den Kameras muss
Olympus den Alleingang proben, da andere
Konstrukteure es bisher gemieden haben,
4/3-kompatible Kameras auf den Markt zu
bringen. Nach der E-1 ist die E-300 der
zweite von Olympus genommene Schritt, die
Entwicklung des 4/3-Systems voranzutreiben,
und man kann die Entschlossenheit des
japanischen Traditionsbetriebes nur loben.
Denn dank Olympus nimmt das viel
versprechende 4/3-"Gebilde" langsam Form an,
und nun ist es an der E-300 – zusammen mit
dem Set-Objektiv Zuiko Digital
14-45 mm 1:3,5-5,6 – zu beweisen, dass das
System durchaus ernst zu nehmen ist. Wir
haben dabei unsere Eindrücke sowohl im
nachfolgenden Text als auch im
nebenstehenden Steckbrief, in der Tabelle
"Messwerte" am Ende des Tests und in einer
aktualisierten Version unseres
digitalkamera.de-Datenblattes zu dieser
Kamera festgehalten. Als hilfreiche
Ergänzung dazu bieten wir das
DCTau-Testprotokoll, das diesem Test bei der
Beurteilung der Bildqualität zugrunde lag,
zum kostenpflichtigen Abruf (bzw. im Abo)
an.
Ergonomie/Verarbeitung Würde man
das Objektiv nicht per Knopfdruck entriegeln
und abnehmen können, würde die E-300 glatt
als Kompaktdigitalkamera für
Fortgeschrittene durchgehen. Die E-300
bricht nämlich mit dem altbekannten bzw.
typischen (D)SLR-Design und zeigt, dass das
Kompaktdigitalkameradesign und die
Spiegelreflextechnik durchaus zu einem
originellen Konzept verschmelzen können. So
"verunstaltet" die E-300 nicht der typische
Prismengehäuse-"Buckel". Der Sucher der
E-300 ist zwar ein echter optischer
TTL-Sucher, bei dem der vom Objektiv
eingefangene Bildausschnitt in den Sucher
umgeleitet wird, aber statt eines
Dachkantprismas aus Glas oder kleinen
Spiegeln sorgt ein so genannter Porro-Sucher
für den "richtigen Durchblick" (siehe
Schnittzeichnung). Die Porro-Suchertechnik
ist beileibe nichts Neues; sie kommt bisher
hauptsächlich in Ferngläsern zum Einsatz,
aber auch im Kamerabereich zeigte Minolta
schon vor Jahren mit der analogen
Vectis-S-Reihe und mit der digitalen
Spiegelreflexkamera RD-3000 ein darauf
aufbauendes Kamerakonzept. Das Resultat ist
eine äußerst kompakte Bauweise mit allen
Vorteilen (und Nachteilen) einer
Spiegelreflexkamera. Leider hat die Sache
mit der Porro-Suchertechnik auch einen
Haken: Das Sucherbild mit seiner
Bildfeldabdeckung von 94 Prozent ist
beileibe nicht so hell wie man es von
konventionellen SLR-Suchern gewohnt ist.
Auswechselbare Suchermattscheiben gibt es
bei der E-300 auch nicht, und wer bisher
eine
(D)SLR sein Eigen nannte, wird sich mit dem
linksbündig platzierten Okular (mit
Dioptrieneinstellung von -3 bis +1 dpt. und
einem Augenabstand von 20 mm) auch noch
anfreunden müssen.
Auch von der Bedienung her muss die E-300
ein paar Kompromisse eingehen. Bei den
kompakten Außenmassen (146 x 85 x 64 mm)
können die Bedienelemente nicht ganz so
großzügig verteilt werden wie bei
"klassischen" (D)SLRs. Deshalb lehnt sich
die Bedienung eher an diejenige von
Kompaktdigitalkameras an, wobei alle
Funktionsknöpfe an die Kamerarückseite
verbannt wurden. Auf der Kameraoberseite
findet man lediglich das in kreative
Belichtungsmodi (Programmautomatik, Zeit-
und Blendenautomatik, manuelle
Belichtungssteuerung) und Motivprogramme
unterteilte Programmwählrad, den
Betriebsschalter, ein Einstellrad und den
Auslöser – wobei den Motivprogrammen
Porträt, Landschaft, Nahaufnahme,
Sport/Action und Nachtaufnahme eigene
Positionen auf dem Programmwählrad gewidmet
sind. Mangels Flüssigkristallanzeige erfolgt
die Funktionseinstellung über den
LC-Farbbildschirm. Sobald man einen der
insgesamt 8 Einstellungsknöpfe betätigt,
wird kurzfristig der 1,8"-Farbmonitor
zugeschaltet, um die verschiedenen
Einstellungsoptionen anzuzeigen. Durch
Betätigen der INFO-Taste kann zudem noch ein
Bildschirm angezeigt werden, der alle
vorgenommenen Einstellungen zusammenfasst.
Das ist vor allem für Besitzer gewöhnlicher
(D)SLRs gewöhnungsbedürftig, doch wenn man
die alten Gewohnheiten mal hinter sich
gelassen hat, funktioniert die Bedienung der
E-300 einigermaßen zügig – wenn auch nicht
ganz so schnell und intuitiv wie bei manch
anderer Digitalkamera.
Über die MENU-Taste gelangt man in die
Tiefen der Kameramenüs. Auf 5 Abschnitte
(Aufnahmeeinstellungen 1 + 2,
Wiedergabeeinstellungen, Kameraeinstellungen
1 + 2) verteilen sich 35 Menüpunkte mit
nicht weniger als 183 Parametern. Es braucht
also einige Zeit, um nach dem Motto
"Entdecke die Möglichkeiten" alle Varianten
durchzuspielen, und da ärgert man sich
darüber, dass einem keine Benutzerspeicher
zur Verfügung stehen. Navigiert wird mit den
Richtungstasten (+/-, AF, ISO,
Belichtungsmessart); bei Bedarf kann man
auch die OK-Taste unterhalb der
Richtungstasten mit einem Menüpunkt seiner
Wahl belegen. Wie man es von digitalen
Spiegelreflexkameras her gewohnt ist, kann
der LC-Farbbildschirm nicht als Sucher bzw.
zur Weißabgleichs- und Belichtungsvorschau
benutzt werden. Daher macht die bei der
E-300 verwendete
HyperCrystal-LCD-Technologie bestenfalls bei
der Bildwiedergabe einen Sinn.
Charakteristisch für diese neue
LCD-Technologie von Olympus sind die guten
Abbildungseigenschaften des Bildschirms
durch eine strahlenförmige Anordnung der
Flüssigkristallmoleküle. Durch einen äußerst
hohen Kontrast, einen Betrachtungswinkel von
160 Grad (vertikal und horizontal),
eine
besonders gute Farbwiedergabe und eine
Reaktionszeit von nur 25 Millisekunden soll
der Bildschirm praktisch immer und überall
ein klares bzw. gutes Bild liefern; die
Auflösung des Bildschirms beträgt 134.000
Bildpunkte.
Was die Handlage der E-300 betrifft, liegt
die Kamera dank griffigem Design sowie gutem
Verhältnis zwischen Gewicht (950 Gramm inkl.
Set-Objektiv) und Größe fest in der Hand.
Die Verarbeitung erinnert leicht an die der
C-8080 Wide Zoom von Olympus; während ein
Großteil des Gehäuses aus Polykarbonat
besteht, sind die "Haube" und das
"Fahrgestell" aus Metall
(Aluminium-Spritzguss). Ebenfalls aus Metall
ist das – genau in der optischen Achse
gelegene – Stativgewinde. Dichtungen zum
Schutz vor Spritzwasser wie bei der großen
Schwester E-1 besitzt die E-300 übrigens
nicht, doch die Steckerleisten, das
Batteriefach und der Speicherkarteneinschub
sind alle gut geschützt und so verteilt,
dass sie sich nicht gegenseitig behindern.
Optik Noch
bis Anfang nächsten Jahres ist die E-300
ausschließlich im Set zusammen mit dem
Standardzoom Zuiko Digital 14-45 mm
1:3,5-5,6 erhältlich. Einen
Brennweitenverlängerungsfaktor gibt es
streng genommen beim Four-Thirds-System (zu
dem die E-300 und die Zuiko-Objektive
gehören) nicht, aber auf
Kleinbild-Verhältnisse umgerechnet
entsprechen die Daten dieses Objektivs einem
Brennweitenbereich von 28 bis 90 Millimeter.
Wer mit der E-300 auch längere und/oder
kürzere Brennweiten abdecken will, der
findet u. U. im Zubehörsortiment von Olympus
sein Glück, doch die Objektivpalette ist
beileibe nicht so groß wie bei der
Konkurrenz. So umfasst das derzeitige
Objektivaufgebot für die E-300 gerade mal 9
Optiken, darunter einige besonders
interessante Exemplare wie das
Ultraweitwinkelzoom 7-14 mm/F4 (entspr.
14-28 mm bei Kleinbild) oder das lichtstarke
Tele-Zoom 50-200 mm/F2,8-3,5 (KB-Äquivalent:
100-400 mm). Doch wer z. B. nach Objektiven
mit eingebautem Bildstabilisator und/oder
Ultraschall-Motor, nach Universalzooms sowie
nach Shift-Objektiven sucht, wird zurzeit
bei Olympus nicht fündig. Da kann man nur
hoffen, dass die Firma Sigma, die bereits
einige Four-Thirds-"Umbauten" im Angebot
hat, ihre ultraschallgetriebenen
HSM-Objektive auch bald mit
Four-Thirds-Anschluss anbietet oder noch
weitere Hersteller auf den Four-Thirds-Zug
aufspringen.
Charakteristisch für das Four-Thirds-System
ist die Offenheit des Standards (theoretisch
kann jeder Hersteller mitmachen) und die
"Maßanfertigung" der Objektive. Während
nämlich viele Linsen anderer DSLR-Systeme
ursprünglich
für das Kleinbild-Format entwickelt wurden
und sich zum Teil nur eingeschränkt für die
Verwendung an digitalen Spiegelreflexkameras
eignen, sind beim Four-Thirds-Standard alle
Teile des Systems optimal aufeinander
abgestimmt. Die Optiken wurden so zum
Beispiel speziell auf die
konstruktionsbedingten Eigenarten von
modernen Bildwandlern (CCD- und CMOS-Sensoren)
abgestimmt, und die Kommunikation zwischen
Objektiv und Kamera findet voll digital bzw.
elektronisch statt.
Das bezeugen die 9 elektrischen Kontakte am
Metall-Bajonett der E-300, die unter anderem
die Vignettierungs- und Verzeichnungswerte
des Objektivs an die Kamera übertragen. Auf
diese Weise (er-)kennt die E-300 das
"Profil" des Objektivs und kann
entsprechende Software-Feinkorrekturen
vornehmen. Durch die vollelektronische
Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv
ist die E-300 auch in der Lage, einem
Objektiv den Befehl zu geben, die Blende zu
schließen – und an eine solche
Abblendfunktion hat Olympus auch gedacht.
Durch eine spezielle Menüfunktion kann man
diese nämlich auf die OK-Taste verlegen und
so per Knopfdruck die Schärfentiefe prüfen.
Alternativ lässt sich die OK-Taste auch zum
AF/MF-Schalter umfunktionieren. Das ist umso
praktischer, als es keinen AF/MF-Schalter am
Objektiv gibt und ein direkter manueller
Eingriff in die Fokussierung auch nicht
möglich ist. Da die OK-Taste aber mit nur
jeweils einer Funktion belegt werden kann,
muss man sich zwischen der Abblendfunktion
oder der AF/MF-Umschaltung entscheiden.
Generell ist das Thema Fokussierung bei der
E-300 jedoch eine leidige Sache. Der
Autofokus mag vielleicht geringfügig
schneller sein als bei der großen Schwester
E-1, und im Vergleich zu dieser werden bei
der E-300 die aktiven AF-Felder per rotem
Leuchtpunkt auf der Mattscheibe
hervorgehoben, aber richtig konkurrenzfähig
ist das Autofokus-System dennoch nicht. So
muss man sich mit 3 AF-Feldern begnügen und
bei der Fokussiergeschwindigkeit ist die
E-300 alles andere als vorbildlich. Die
E-300 schafft es zwar, geringfügig schneller
zu fokussieren als Kompaktdigitalkameras,
aber liegt beim AF-Tempo deutlich hinter
konkurrierenden DSLRs. Und dass eine
Blitzsalve Ersatz für ein AF-Hilfslicht
leisten muss, ist eine zuletzt bei der Canon
EOS 20D festgestellte Unart, von der wir
eigentlich gehofft hatten, sie bei keiner
anderen Kamera anzutreffen. Beim Autofokus
bildet die E-300 also das Schlusslicht unter
allen modernen digitalen
Spiegelreflexkameras. Zumindest verfügt der
Autofokus der E-300 über einige
Standard-Features wie z.B. einen
Schärfenachführungsmodus und eine manuelle
Wahl des AF-Feldes, sonst würde sie in
dieser Disziplin wohl komplett im Abseits
stehen.
Blitz Die
E-300 hat ja irgendwas von einer kleinen
Reportagekamera, und zu einer solchen Kamera
gehört dann auch ein "kleiner Lichtspender
für den Notfall" in Form eines eingebauten
Miniaturblitzes. Dieser liegt bei der E-300
leicht versetzt zum Blitzschuh und wird per
Knopfdruck "ausgeworfen". Dabei streckt der
Bordblitz sinnbildlich ganz schön den Hals
heraus; der Abstand zur optischen Achse ist
jedenfalls so groß, dass das Risiko roter
Augen so gut wie nicht gegeben ist. Als
zusätzliche Sicherheit gegen rote Augen kann
man bei den Blitzeinstellungen noch die –
mit einer nicht sehr diskreten Blitzsalve
funktionierenden – Verringerungsfunktion
zuschalten. Weitere Blitzfunktionen gibt es
in Form einer
Langzeitsynchronisationsfunktion (wahlweise
mit Synchronisation auf den 2.
Verschlussvorhang), einer
Blitzbelichtungskorrekturfunktion (im Menü)
und den üblichen Einstellungen (Auto,
Erzwungen, Zwangsabschaltung). Damit aber
die Blitzautomatik funktioniert, muss der
Blitz
zuvor
entriegelt werden, so dass man eher von
einer Halbautomatik reden kann.
Was die Blitzdosierung angeht, belichtet die
E-300 recht präzise – wenn auch die
Abstimmung zwischen Blitzlicht und
Umgebungslicht nicht ganz so perfekt
ausbalanciert ist wie bei Canon und Nikon.
Die Leistungswerte des integrierten
Miniaturblitzes sind ihrerseits ganz
korrekt. Die von Olympus angegebene Leitzahl
von 13 können wir durch unsere eigenen
Messungen bestätigen, und die Blitzabdeckung
ist auch ganz gut. Leider kommt es trotz
erhöhter Position des Blitzes zu
Abschattungseffekten durch das Objektiv, was
hauptsächlich bei Aufnahmen auf kurzen
Distanzen (bis ca. 1 m) in Erscheinung
tritt. Die Farbtemperatur des Blitzlichtes
ist hingegen weitgehend neutral
(Tageslicht); eine spezielle
Weißabgleich-Voreinstellung für
Blitzaufnahmen gibt es nicht. Im regulären
Blitzbetrieb liegt die kürzeste Synchronzeit
bei 1/180 Sekunden. Diese (D)SLR-typische
Einschränkung kann durch Benutzung der
Blitzkurzzeitsynchronisationsfunktion
umgangen werden. Im so genannten
Super-FP-Modus kann nämlich mit sehr kurzen
Verschlusszeiten (bei der E-300 bis zu
1/4.000 s) geblitzt werden, indem das
Blitzlicht selbst entsprechend moduliert
wird. Das hat jedoch einen mehr oder weniger
starken Einbruch der Blitzleistung zur
Folge, so dass das Aufhellblitzen mit dieser
Methode vornehmlich bei kurzen
Motiventfernungen einsetzbar ist.
Dank erweitertem Blitzschuh kann die E-300
nicht nur Mittenkontakt-Blitzgeräte zünden,
sondern auch mit TTL-kompatiblen
Aufsteckblitzen wie z. B. dem FL-20, dem
FL-36, dem FL-50 oder auch der
Makro-Blitzsteuereinheit FS-FC1 (die
wahlweise mit der Zangenblitzeinheit FS-TF22
oder der Ringblitzeinheit FS-RF11 kombiniert
wird) kommunizieren, so dass im TTL-Betrieb
unter Beibehaltung sämtlicher Automatiken
geblitzt werden kann. Die erweiterte
Kommunikation schließt auch die automatische
Anpassung des Zoomreflektors an die
eingestellte Brennweite, die Ansteuerung des
Rotlicht-Strahlers (als AF-Hilfslicht) an
einigen Blitzgeräten sowie die Unterstützung
des Super-FP-Modus beim externen Blitzen mit
ein. Das bieten aber auch die meisten
konkurrierenden Blitzsysteme anderer DSLRs
(Canon E-TTL, Nikon iTTL, Pentax P-TTL,
Konica Minolta-TTL). Während diese aber
weitere Sonderfunktionen wie z. B. die
drahtlose TTL-Blitzsteuerung, automatische
Blitz-Belichtungsreihen oder die
Blitz-Belichtungsmesswertspeicherung
anbieten, sieht der Funktionsumfang bei der
E-300 vergleichsweise spartanisch aus.
Wenigstens kann man den internen Blitz
gemeinsam mit einem externen Blitz
betreiben, was besonders dann nützlich ist,
wenn man den indirekt blitzt und den
Bordblitz dazu verwendet, bei Porträts
Spitzlichter in die Augen hineinzukriegen
und/oder Schattenpartien aufzuhellen.
Bildqualität Von
allen Einsteiger-DSLRs bzw. digitalen
Spiegelreflexkameras der unteren Preisregion
ist die E-300 von Olympus die mit der
höchsten Auflösung. Mit ihrem
8-Megapixel-CCD schlägt die E-300 sogar von
der Pixelzahl her die größere Schwester E-1,
die "nur" 5 Megapixel aufzuweisen hat und
praktisch das Doppelte kostet. Interessant
ist dabei die Frage, wie sich die E-300
nicht nur im Vergleich zu anderen DSLRs,
sondern auch im Vergleich zu den
Prosumer-Kameras der 8-Megapixel-Klasse
schlägt.
Bereits bei der Auflösung holt die E-300 zu
einem Rundumschlag aus und befördert
zahlreiche Prosumer- und DSLR-Modelle ins
Abseits. Selbst mit dem preisgünstigen
Set-Objektiv liefert die Kamera eine
ausgezeichnete Auflösung in allen
Brennweiten. In der kurzen Brennweite ist
die Auflösung dabei in der Bildmitte am
höchsten, um dann zu den Bildrändern hin
leicht abzunehmen, während bei der mittleren
und langen Brennweite die Auflösung auf
einem etwas niedrigeren (aber immer noch
sehr hohen Niveau) startet, um dann auf dem
Weg zum Bildrand hin recht konstant zu
bleiben. Andere
Kamera/Objektiv-Kombinationen machen da zwar
nicht unbedingt eine schlechte Figur, doch
die E-300 stiehlt hier den Konkurrentinnen
die Show. Das gute Auflösungsvermögen
schlägt sich auch in der Fähigkeit der
Kamera nieder, feine Bilddetails
darzustellen, ohne dass die Elektronik
zuviel nachhelfen muss. Ganz im Gegenteil:
Die E-300 verwendet fast keine
kontrastverstärkende Signalverarbeitung bei
feinen Bildstrukturen. Und da, wo die
Signalverarbeitung eingreift, tut sie das
sehr ausgewogen; so zum Beispiel bei der
sehr gut balancierten bzw. sehr symmetrisch
arbeitenden Scharfzeichnung, welche die
Detailschärfe mittelstark bis deutlich
anhebt, ohne dass es zu kritischen
Bildstörungen wie z. B. Überschwingungen
oder Doppellinien kommt.
Allgemein liegt die Artefaktrate bei der
E-300 niedrig und verringert dadurch nicht
nur die Abhängigkeit der Auflösung von der
Richtung, in der bestimmte Motivstrukturen
verlaufen, sondern schränkt eine
Nachbearbeitung der Bilder am Computer nicht
so stark ein, wie es bei dem gerade
beschriebenen Scharfzeichnungsgrad sonst
üblich ist. Bei hochkontrastigen Kanten
zeigen sich leichte Farbsäume auf der
dunklen Kantenseite (in unserem
DCTau-Protokoll an den unterschiedlichen
Farbergebnissen im Diagramm erkennbar); die
bei der höchsten Auflösung von 3.264 x 2.448
Pixel wählbaren Komprimierungsstufen sind
zwar nicht besonders umfangreich (nur SHQ
und HQ), sorgen aber für weitgehend (block-)artefaktfreie
Bilder von sehr hoher bis mittlerer
Bildqualität. Sonst kann es noch bei der
Tiefpassfilterung zu mittelstarken
Bildstörungen kommen, die aber nicht
unbedingt mit jedem Objektiv so deutlich
sichtbar sind. So wirkt das Set-Objektiv zum
Beispiel dämpfend auf die Effekte der
Tiefpassfilterung und reduziert die
Artefakte auf Helligkeitsmoirés bei
fallenden Diagonalen (eine Folge des
Demosaicing) sowie vereinzelte
Treppenstufeneffekte bei schrägen Linien.
Beim Bildrauschen zeigt sich die E-300 nicht
ganz so rauschfrei wie eine Canon EOS 20D,
die in etwa die gleiche Pixelzahl aufbringt,
aber durch den ungleich größeren Sensor auch
Pixel eines anderen "Kalibers" aufzieht. Bei
der E-300 liegt das Rauschen
nichtsdestotrotz auf gutem Niveau; über die
verschiedenen Helligkeitsstufen des Bildes
hinweg verteilt sich das Bildrauschen auf
sehr augenfreundliche Weise. Durch den wenig
aggressiven Charakter zeigt das Rauschen
auch keine einzelnen auffälligen Pixel; in
der niedrigsten Empfindlichkeitsstufe
(entspr. ISO 100) ist das farbneutrale
Helligkeitsrauschen etwas ausgeprägter als
das störendere Farbrauschen. Schlägt sich
die E-300 beim Bildrauschen tapfer, ist dies
auch der Fall beim Dynamikumfang. Nach dem
neusten Messverfahren (DCTau 4.1) unseres
Testlabors verträgt die E-300
Kontrastunterschiede von bis zu 8,3
Blendenstufen und produziert kontrastreiche
Bilder mit 251 (von 256 theoretisch
möglichen) Helligkeitsstufen. Das ist im
Vergleich zu anderen Kameras, die ebenfalls
nach der neuen Messmethode getestet wurden,
ein guter bis sehr guter Wert.
Charakteristisch für die Bilder der E-300
sind weiterhin eine leicht weiche
Tonwertwiedergabe in den Lichtern und eine
noch weichere Wiedergabe der Tonwerte in den
Schattenpartien. Da die ESP-Mehrfeldmessung
der E-300 auch noch sehr präzise bzw.
zuverlässig belichtet, sind "ausfressende"
Lichter und/oder "absaufende" Schatten kaum
zu befürchten. Und weil die Farben darüber
hinaus auch noch sehr neutral wiedergegeben
werden, ist die Bildwiedergabe sehr stimmig.
Zum Abschluss dieses Kapitels noch ein paar
Worte zum Objektiv aus dem Lieferumfang.
Dass bei den knapp kalkulierten Preisen von
Set-Objektiven immer irgendwo Abstriche in
Punkto Bildqualität zu erwarten sind, ist
schon klar. So wundert es einen nicht zu
sehr, dass das Zuiko Digital 14-45 mm
1:3,5-5,6 am Weitwinkel-Ende eine stark
tonnenförmige Verzeichnung aufzeigt, die
beim Zoomen progressiv abnimmt, um erst im
Tele-Bereich fast vollends von der
Bildfläche zuverschwinden. Umgekehrt geht es
bei der Vignettierung zu. Hier ist die
Randabdunkelung, wegen des etwas knapp
bemessenen Bildkreises, im Tele-Bereich am
ausgeprägtesten und liegt deutlich über
einer halben Blende; in der mittleren und
kurzen Brennweite fällt die Helligkeit an
den Bildrändern nicht so stark und viel
weniger steil ab. Nichtsdestotrotz weist das
Set-Objektiv eine ganz respektable
Abbildungsleistung auf und darf angesichts
der Tatsache, dass es im Preis der Kamera
mit inbegriffen ist, durchaus als
Schnäppchen bezeichnet werden.
Sonstiges/besondere
Funktionen Wenn es ein
Ausstattungsmerkmal gibt, das der E-300 eine
Alleinstellung unter den
digitalenSpiegelreflexkameras verleiht, dann
ist dies der so genannte "Supersonic Wave
Filter". Innovativ ist dabei die Methode,
wie Olympus den St aub
(den natürlichen Feind eines jeden
Bildwandlers) auf dem CCD loswird: Mit
Ultraschall wird der Staub auf dem
Staubschutzfilter vor dem CCD einfach weg
"gerüttelt". Dieser sammelt sich dann auf
einem kleinen "Klebestreifen" im Kameraboden
an, der bei Bedarf von einer
Olympus-Vertragswerkstatt ersetzt werden
kann. Olympus gab auf unsere Anfrage hin ein
"Wartungsintervall" von 3 bis 4 Jahren für
den Wechsel des Klebestreifens an, so dass
man schon viele Bilder machen bzw. sich
schon viel Staub ansammeln muss, bevor die
Kamera in die Werkstatt muss. Da die
Staubschutzfunktion jedes Mal nach dem
Einschalten der Kamera aktiviert wird,
sollte die Kamera zu diesem Zeitpunkt nicht
geneigt gehalten werden, um eine effektive
Reinigung zu erzielen. Bei aktivierter
Staubschutzfunktion blinkt die blaue
SSWF-Diode an der Kameraoberseite zwischen
dem Auslöser und dem Programmwählrad.
Hartnäckigen Staub bzw. Schmutz kriegt man
übrigens durch eine gewöhnliche
Sensorreinigung mit speziellem
Reinigungsmittel und passendem Stift bzw.
Stäbchen vom Sensor runter; eine
entsprechende Funktion zur Vorbereitung der
Kamera auf die "große Putzaktion" findet man
im Kameramenü.
Architekturbedingt gibt es bei der E-300
keine Videofunktion, aber ein Video-Ausgang
zur Wiedergabe der aufgenommenen Fotos auf
einen Fernseher ist vorhanden. Nützlich wäre
es gewesen, wenn die E-300 zumindest
Sprachkommentare aufzeichnen könnte, aber
das kann sie leider auch nicht. Weil aber
auch (Semi-)Profis mal schnell einen Abzug
von ihren Bildern wollen bzw. brauchen, ist
die E-300 PictBridge-kompatibel. Der
Druckeranschluss erfolgt dabei über die USB 1.1-
Schnittstelle der Kamera, die sonst zur
Datenübertragung auf den Computer dient.
Hier fiel wohl eine schnellere Schnittstelle
dem Sparzwang zum Opfer, und bei den großen
Datenmengen, die bei einer
8-Megapixel-Kamera anfallen, ist man gut
beraten, sich ein externes Kartenlaufwerk
mit USB 2.0- oder Firewire-Anschluss
zuzulegen.
Erweiterte Aufnahmefunktionen bietet die
E-300 u. a. in Form einer Reihenautomatik
für Belichtung oder Weißabgleich, wählbaren
Messcharakteristika (ESP-Mehrfeldmessung,
mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
auf 2 % des Bildfeldes), variablen
Lichtempfindlichkeitsstufen (ISO 100-400
bzw. ISO 800 und 1.600 mit der
ISO-Boost-Funktion), verschiedenen
Weißabgleichseinstellungen (Automatik,
Voreinstellungen, manuell auf verschiedene
Arten) und einer Fernauslösefunktion.
Selbstverständlich besitzt die E-300 einen
Serienbildmodus (siehe Messwert-Tabelle);
lobenswert ist dabei die Tatsache, dass die
von uns ermittelte Serienbildgeschwindigkeit
nicht nur über der Herstellerangabe liegt
(3,3 statt 2,5 Bilder/s), sondern auch noch
unabhängig vom eingestellten Bildformat
(ORF/RAW, JPEG oder TIFF) gilt. Sehr
nützlich sind die Sonderfunktionen zum
Justieren und/oder Auswählen der
Bildparameter (Farbsättigung, Bildkontrast,
Scharfzeichnung, Tonwertabstufung,
Farbraum), zur Erstellung eines
JPEG-Abbildes in 3 wählbaren
Komprimierungsstufen bei der Aufnahme im
ORF/RAW -Format sowie zum Herausrechnen
toter bzw. defekter Pixel (Pixel-Mapping).
Ebenfalls von großem Nutzen ist die
RAW-Data-Edit-Funktion. Sie erlaubt die
Grobbearbeitung bzw. Umwandlung der ORF/RAW-Rohbildaufnahmen
in der Kamera, so dass man bei Bedarf eine
sofort verwertbare JPEG-Kopie des Bildes
erstellen kann.
Umfassende Personalisierungs- bzw.
Individualfunktionen wie bei anderen DSLRs
(vor allem Canon und Nikon) gibt es bei der
E-300 nicht – auch keine Benutzerspeicher
wie bei der C-8080 Wide Zoom aus dem eigenen
Hause. Die Möglichkeit, die OK- Taste
neu zu belegen, erweist sich in der Praxis
als unverzichtbar (siehe dazu den Abschnitt
"Optik"), und die Funktion zur Festlegung
der Drehrichtung für den Fokussierring am
Objektiv kann man auch noch als
Personalisierungsoption betrachten. Äußerst
praktisch ist die Objektivrückstellung. So
kann man im Menü festlegen, ob die Kamera
beim Ausschalten die Fokussierung wieder auf
Unendlich zurücksetzen soll, was vor allem
dann viel Zeit erspart, wenn man gleich nach
dem Einschalten der Kamera ein etwas weiter
entferntes Motiv fotografieren will. Würde
Olympus noch die Möglichkeit geben, das
Objektiv nicht auf Unendlich, sondern auf
die Hyperfokale zu stellen, wäre die E-300
auch für jeden Schnappschuss gewappnet.
Fazit Olympus
greift mit der E-300 die untere Preisregion
bei den digitalen Spiegelreflexkameras an
und tut dies mit einer Kamera, die voller
guter Ideen wie z. B. dem Gehäuse- und
System-Konzept sowie dem genialen
Ultraschall-Staubschutzfilter steckt. Obwohl
Olympus – bei dem, was der Hersteller bisher
an Zuiko-Objektiven gezeigt hat – die
Überlegenheit des 4/3-typischen Optikdesigns
(Kompaktheit, Lichtstärke,
Abbildungsleistung) gegenüber
konventionelleren Objektivarchitekturen
nicht überzeugend genug demonstrieren
konnte, wartet die E-300 mit einem
außerordentlich guten Verhältnis zwischen
Auflösung und Bildqualität auf und kann sich
so nicht nur in Sachen Preis gegen die
Konkurrenz behaupten. Doch nicht in jeder
Hinsicht konnte uns der DSLR-"Mini"
überzeugen. Sicherlich ist das
Gehäusekonzept wagemutig und durchaus
innovativ, aber die direkteste Konkurrentin
der E-300, nämlich die Pentax *ist DS, ist
trotz konventioneller SLR-Suchertechnik
kompakter. Nicht zu reden von dem –
zumindest auf dem Papier –
leistungsfähigeren Autofokus und
polyvalenterem Blitzsystem der
Pentax-Rivalin. Ein Test der *ist DS wird
zeigen, ob sie auch in der Praxis der E-300
in diesen beiden Disziplinen überlegen ist.
Unterm Strich ist die E-300 jedoch ein
durchaus gelungener Versuch von Olympus,
sich auf dem Markt für Einsteiger-DSLRs zu
etablieren, aber nachdem jetzt mit der E-300
Fuß gefasst wurde, muss der japanische
Kamerakonstrukteur die Innovationen auch in
anderen Gebieten wie z. B. der Autofokus-
und Blitztechnik vorantreiben, um seine
Position zu stärken.
|
Messwerte |
|
Einschaltzeit |
ca. 1,7 s |
Brennweitenverstellung
Anzahl Stufen
Zeit Weitwinkel bis Tele |
manuell am Objektiv
-
- |
|
Autofokus-Geschwindigkeit |
min. 0,3 s / ca. 0,4 s / max. 0,6 s
(abhängig von Motiv und
Aufnahmebedingungen) |
|
Auslöseverzögerung |
< 0,1 s |
Blitz
Leitzahl |
13 |
|
Batterielaufzeit |
> 300 Aufnahmen |
Speicherzeiten
RAW
JPEG
TIFF |
ca. 6,2 s (13,4
MByte)
ca. 3,2 s (6,1 MByte)
ca. 9,8 s (23,3 MByte)
Auslösung während Speicherung
möglich |
Serienbilder
Verwendete Auflösung
Geschwindigkeit
Anzahl
mit Blitz |
3.264 x 2.448
ca. 3,3 Bilder/s
max. 4 Bilder
ja (bei verlangsamter Bildfolgezahl) |
|